„Unsere Arbeit kommt über die Region hinaus an“

Seit sieben Jahren gibt es den Jugendförderverein Viktoria Fulda, die abgelaufene Spielzeit kann durchaus

als Erfolg angesehen werden. Doch die nächsten Aufgaben stehen schon bevor: Thomas Dreifürst (59), gebürtiger Fuldaer und seit der Vereinsgründung Vorstandsvorsitzender beim JFV, äußert sich im großen Interview zur Ist-Situation, den künftigen Trainern und der Perspektive.

Das „verflixte“ siebte Jahr war für den JFV Viktoria Fulda ein erfolgreiches. Mit zwei Top-sechs-Platzierungen bei U19 und U17 in der Hessenliga sowie dem Wiederaufstieg der U15 in diese Klasse sind Sie sicherlich zufrieden?
Das Jahr war gut, hätte aber besser laufen können. Wichtig war, dass wir bei der U15 den Betriebsunfall begradigt haben, der Aufstieg war ein Muss. Bei der U17 haben wir trotz der schwierigen Trainerkonstellation eine super Hinrunde gespielt, nach der Winterpause haben wir aber nur noch elf Punkte geholt. Und auch bei der U19 wäre mit kontinuierlicheren Leistungen gegen Teams von unten mehr drin gewesen; so ging es am letzten Spieltag von Rang drei auf sechs. Von Platz drei hätten wir uns zwar nichts kaufen können, dennoch wäre so eine Platzierung mal ein Ausrufezeichen für unsere Region gewesen.

Überrascht die gute Platzierung der A-Junioren angesichts der Tatsache, dass mit Horas ein zweiter osthessischer Verein in dieser Liga mitgemischt und sogar den Klassenerhalt geschafft hat?
Vor der Horaser Leistung muss man erst einmal Respekt haben. Mit den drei, vier besten Horaser Spielern in unserer Mannschaft hätten wir die ersten beiden Vereine Darmstadt und Offenbach aber noch mehr ärgern und unsere Region besser repräsentieren können. Da bin ich mir sicher.

Oft wird gesagt, dass der Fuldaer Region die herausragenden Talente fehlen. Der Fakt, dass die zweitbesten Torjäger der A- und B-Junioren-Hessenliga aber bei der Viktoria spielen, zeigt aber doch, dass gute Spieler definitiv vorhanden sind …
Tatsächlich wird es manchmal verkannt, dass unsere Region auch etwas zu bieten hat. Sowohl Hamed Noori bei den A-Junioren als auch Homan Halimi eine Altersstufe drunter sind absolute Teamplayer und keine Alleinunterhalter. Die Quote zeigt ihre Einzelqualität, aber auch die Homogenität innerhalb der Mannschaften. Wir haben ja auch drei Spieler, die uns in Richtung Nachwuchsleistungszentren verlassen: Jannis Maul geht nach Dresden, Danilo Seifert zum FSV Frankfurt und Arda Alipek zu Carl-Zeiss Jena. Das zeigt, dass die Region gute Talente hat. Und dass unsere Arbeit über die Region hinaus bei anderen Vereinen ankommt.

Was fehlt dem JFV, um diese Spieler in Fulda zu halten?
Die Infrastruktur ist das Entscheidende. Gerade bei den beiden Ost-Vereinen hängen Internate dran, mit den Sportschulen wird ihnen ein professioneller Umgang ermöglicht. Man hat aber auch schon gesehen, dass viele Spieler den Schritt zurück zu uns gegangen sind, weil sie zu wenig Spielzeit erhalten hatten. Diese Jungs tun uns gut.

Gerade infrastrukturell kämpft Ihr Verein immer wieder mit Problemen, da nur in Lehnerz und Bronnzell Plätze für fünf Teams zur Verfügung stehen …
Natürlich bräuchten wir noch mehr Kapazitäten. Wir können froh sein, dass es den Kunstrasen in Lehnerz gibt, ohne ihn wäre es für uns gar nicht zu stemmen. Ansonsten ist es in der Stadt Fulda eng mit den Plätzen. In Haimbach entsteht ja jetzt ein neuer Kunstrasen, in Bronnzell ist logistisch jahrelang nichts passiert. Trainiert wird dort auf einem Feld, das bei Heimspielen als Parkplatz verwendet wird. Dort wäre ein Kunstrasen für den Stammverein und den Jugendbetrieb angebracht.

Trotz des Zusammenschlusses der SG Barockstadt ist Borussia Fulda weiterhin im JFV Fulda „Borussia“ verankert, dazu hat die SGB auch eine eigene Jugendabteilung. Erschwert das nicht Ihre Arbeit bei Viktoria Fulda?
Natürlich, wir werden eingegrenzt. Ziel muss es sein, dass ein Jugendförderverein als Unterbau anerkannt wird, nur so kann die Barockstadt irgendwann mal Regionalliga spielen. Aber auch so ist es nicht einfach mit zwei Jugendfördervereinen in der Stadt. Ich wäre ein klarer Befürworter einer Fusion gewesen.

Spieler für die Hessenliga-Mannschaft auszubilden ist weiterhin schwer, die SGB setzt vermehrt auf Spieler, die außerhalb der Region ausgebildet wurden …
Dafür gibt es in Hünfeld fünf Spieler, die bei uns gespielt haben, drei bis vier davon waren in der abgelaufenen Hessenligasaison Stammspieler. Das spricht für uns und natürlich auch die Jungs selbst. Bei so einem Verein wie Hünfeld bekommen sie eben die Chance, bei Barockstadt ist das in der ersten Mannschaft schwer.

Aber es kann ja nicht Ziel von Viktoria Fulda sein, Spieler für den Hünfelder SV auszubilden?
Wir sind ein Ausbildungsverein, wollen das aber natürlich für unsere Stammvereine Barockstadt und Bronnzell sein. Dass sich andere Vereine für unsere Spieler interessieren, ist ganz klar. Das sieht man ja auch am Horaser Beispiel, wo einige Akteure den Weg zu anderen Clubs gehen. Aber klar, Ziel muss es sein, vermehrt auf den eigenen Bereich zu setzen. Die zweite Mannschaft in eine U-23-Mannschaft umzuwandeln, ist dafür ein guter Ansatz. Deshalb hat unsere U19 in der kommenden Saison mit Sebastian Sonnenberger und Florian Roth auch zwei gleichberechtigte Trainer. Florian hat die spezielle Aufgabe, Schnittstellentrainer zu den Senioren zu sein.

Wie genau sieht das aus?
Die Spieler des älteren Jahrgangs sollen Trainingseinheiten, beispielsweise in der Vorbereitung, oben absolvieren. Den Jungs müssen jetzt schon Perspektiven aufgezeigt werden. Mit dem Start in die Senioren ist die Ausbildung noch nicht abgeschlossen, die Verbandsliga ist gerade im nächsten Jahr mit den vielen Derbys aber ein guter nächster Schritt für diese Spieler.

Wie sehen die Trainerbesetzungen in den anderen Mannschaften aus?
Es gibt wenig Veränderungen, einzig der Abgang von Stefan Huck nach Darmstadt muss kompensiert werden. Die U15 wird Senouci Allam mit seinem Co-Trainer Marc Hentschel trainieren, beide rücken aus der U14 hoch. Ähnlich sieht das bei der U17 aus, Stanislav Szilagyi wird mit seinen Jungs mitgehen. Sein Co-Trainer wird Branko Milenkovski. Die U-16-Junioren werden von den langjährigen Bronnzeller Spielern Sascha Fiedler und Johannes Ihrig trainiert, für unsere U14 haben wir Benedikt Goßler vom JFV Bad Hersfeld dazugewonnen. Er hat dort jahrelang gute Arbeit geleistet. Ihm assistiert Sebastian Bullemer, unser Spieler aus der U19.

Hat die hohe Fluktuation auf der Trainerposition damit ein Ende? Die U17 wurde in der abgelaufenen Saison von vier Trainern gecoacht, und Sebastian Sonnenberger und Florian Roth wird nachgesagt, dass sie die U23 der Barockstadt in einem Jahr übernehmen sollen…
Unsere Perspektive ist darauf ausgelegt, mit den Trainern länger als ein Jahr zu arbeiten, und dass die Trainer die Spieler mehrere Jahre begleiten. Wenn der Esprit und Geist aus den Gesprächen in die Saison katapultiert wird, bin ich guten Mutes. Generell ist es unser Ziel, später einmal einen Trainer aus der Jugend im Seniorenbereich der Barockstadt zu etablieren. Zu den Gerüchten kann ich aber gar nichts sagen.

Sie sind seit Gründung des Jugendfördervereins im Jahr 2012 an dessen Spitze. Was sind Ihre Ziele für die weiteren Jahre?
Mein Ziel ist es, noch mehr zu erreichen, als wir ohnehin schon gemacht haben. Wir wollen unsere Kooperationsgeschichten, beispielsweise mit Eintracht Frankfurt, wieder mehr vertiefen, dazu muss der medizinische Bereich besser werden. Im videoanalytischen Bereich soll zudem etwas entstehen. Sportlich möchten wir mal unter die Top fünf oder die Top drei kommen, um die großen Teams noch mehr zu ärgern. Alles andere wäre Utopie.

Quelle: https://www.torgranate.de

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